• Friedhelm Boschert

Warum das „Finanzielle Wohlergehen“ ihrer Kunden zur Zielgröße der Banken werden muss


Geht‘s uns gut mit unseren Finanzen? Laut einer Gallup Umfrage über Finanzwissen haben die Hälfte der Menschen einen eher negativen Zugang zu Geld, und ebenfalls die Hälfte schaut nur ganz selten auf Ihren Kontostand. Unbehagen über zu viel oder zu wenig Geld, gar andauernde Grübeleien und Stress, werden in anderen Studien als vorherrschender Gefühls-Zustand in puncto Geld beschrieben. Barclay etwa ermittelte, dass „poor financial wellbeing can lead to the greatest sense of insecurity and unhappiness“.


GELD-IGNORANZ ALS RISIKO

Unbehagen und Stress mit Geld und Finanzen zeigen sich oft als „Geld-Ignoranz“ („Money Avoidance“), wie der amerikanische Psychologe Brad Klontz dieses Phänomen nennt. Er hat in mehreren Studien untersucht, wie Menschen mit Geld und Finanzen umgehen, wie sie darüber denken und fühlen. Wer im Umgang mit seinen Finanzen gerne den Kopf in den Sand steckt, sein Konto nur ganz unregelmäßig und oberflächlich betrachtet, seine Einnahmen und Ausgaben wenig kontrolliert und vielleicht noch der Meinung ist, Geld sei nicht wichtig – der gehört zu dieser Kategorie Menschen. Drei weitere Typen mit Auffälligkeiten im Umgang mit Geld und Finanzen („money disorders“) hat Klontz identifiziert. Und etwas davon steckt in jedem von uns – mehr oder weniger.

Entscheidend dabei: wer seine eigenen Auffälligkeit nicht kennt oder ignoriert, wird früher oder später erst recht mit finanziellen Schwierigkeiten und noch mehr Problemen konfrontiert sein. Sei es, dass er/sie zu viel oder zu wenig ausgibt, zu viel, zu wenig oder, noch schlimmer, falsch investiert und vorsorgt, oder finanziell mehr hätte erreichen können oder er/sie sich permanent unter seinem Wert verkauft. Und sei es, dass man es in einem ungeliebten Job aushält, „weil man ja das Geld braucht“. Gut für die Gesundheit ist das auf keinen Fall.


EMOTIONEN ALS WEGWEISER

Mit sich und seinen Finanzen im Reinen zu sein, ist weniger eine Frage des Kontostandes, als vielmehr eine Frage der inneren Einstellungen, des Geld-Mindset, sagt der Psychologe Klontz in seinem Buch „Wired for Wealth“ und folgert: „The biggest threat to your financial health is not a recession, it’s your mindset“. Aufgeklärt mit nüchternem Blick, unaufgeregt, fokussiert in sich selbst ruhend mit seinen Finanzen und Geld umzugehen – das ist Finanzielles Wohlergehen. Sich nicht von seinen Geld-Emotionen treiben zu lassen, sondern die Emotionen rund um das Geld als hilfreiche Wegweiser zu sich selbst zu sehen.


VIER GRÜNDE FÜR BANKEN

Wir wollen nun an dieser Stelle nicht fragen, was der Einzelne tun kann, um finanzielles Wohlbefinden zu erreichen. Das sei an anderer Stelle besser getan. Wir fragen hier vielmehr, ob es heutzutage nicht im starken Interesse der Banken sein müsste, selbst und aktiv Beiträge zum „Financial Well-being“ Ihrer Kunden zu leisten. Einige der Gründe:

1. Individueller Stress mit Geld schafft oder verschärft bestehende Finanz-probleme. Damit wird es zu einer Frage des Risikomanagements der Banken. Vorbeugendes Risikomanagement wäre, sich um das finanzielle Wohlergehen ihrer Kunden schon früh zu kümmern. Und ihnen zu helfen, bevor es zu spät ist.

2. Im Zeitalter der Digitalisierung verwaisen Bankfilialen – mal ehrlich, wann waren Sie zum letzten Mal in einer Filiale? Persönliche und vertrauensbilden-de Kontakte mit Kunden finden kaum mehr statt – mal ehrlich, der verkaufs-getriebene Anruf „meines Bankberaters“ erhöht nicht gerade die Sympathie für meine Bank. Spürte der Kunde dagegen ein echtes Interesse der Bank an seinem finanziellen Wohlergehen, würde er sich mit großer Sicherheit zu einem loyaleren Kunden entwickeln, auch on-line!

3. Nach der Bankenkrise haben Vertrauen und Image der Banken massiv gelitten. Sich nun ehrlich um die Kunden und deren Wohlergehen zu kümmern, könnte dazu beitragen, das verlorengegangene Vertrauen wieder herzustellen. Und im Zeitalter von „Nachhaltigkeit“ und „Social Investing“ auch wieder das menschliche Element im Banking spürbar werden zu lassen. Wer anfängt, kann hier mit Sicherheit Wettbewerbs-Vorteile verbuchen.

4. Die Notwendigkeit von Finanzbildung – bei Jugendlichen wie bei Erwachsenen - wird heute auch von Banken nicht mehr in Frage gestellt. Doch Wissen um hard facts wie Aktien, Börsen, Provisionen, Zinseszinsen und Anleihekurse reicht dafür bei Weitem nicht aus. Die Klärung der persönlichen und emotionalen Einstellungen des Einzelnen zum Geld, der „money mindset“, sollte Ausgangspunkt und der angstfreie und entspannte Umgang mit Geld das Ziel sein.


UND WIE SOLL DAS GEHEN?

Die Schulung der Bankberater in emotionaler Intelligenz, das Schaffen von zeitlichen Freiräumen für die Kundenberater, ein vielfältiges Angebot von Veranstaltungen und Seminaren zum Thema „Finanzielles Wohlergehen“ für Kunden, einfache Apps und Tools zum spielerischen Handling der Finanzen für den Kunden und eine Unternehmenskultur, die das Well-being auch für die Bankangestellten in den Mittelpunkt stellt, würde sich für eine Bank sowohl geschäftlich als auch gesellschaftlich lohnen. Den Mut, über den eigenen Tellerrand aus Kostendruck, Ertragszwang und Regulierung auch wieder ehrlich Richtung Kunde zu blicken, braucht es dazu natürlich schon.


Februar 2020



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